Ausbildungstouren Fels & Eis 29.07.-03.08.2017
„In Fels und Eis“
Ausbildungswoche auf der Franz-Senn-Hütte, Stubai

Dass von den angemeldeten acht Teilnehmer(-innen) nur noch vier tatsächlich das Angebot nutzten, war einerseits schade, andererseits für Anja, Silke, Christoph und Cornelius vorteilhaft, weil die Ausbildung ihren individuellen Interessen und Fähigkeiten angepasst werden konnten. Letztere ermöglichten auch anspruchsvolle Touren, deren Durchführung die praktische Umsetzung von Lerninhalten gestatteten. So erforderte nach der langen Anreise und dem Aufstieg zur Hütte (2145m) die Gipfeltour auf die vordere Sommerwand (2677m) nicht nur gute Kondition, sondern im oberen Gratverlauf Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Das erste leckere Abendessen auf der Franz-Senn-Hütte , auf der Andreas Hinkelmann und Hans Henninger schon seit vielen Jahren gern gesehene Gäste sind, belohnte für die Anstrengung dieses doch langen ersten Tages.

Der nächste Tag brachte die Begehung des Sommerwandferners (Ferner = Gletscher). Das Gehen auf Steigeisen, in der Seilschaft und Sicherungsmethoden im Blankeis mittels Eisschrauben, Eis-Sanduhr und die Nutzung des Eispickels waren Gegenstand der Ausbildung im Rahmen der Tour auf die Innere Sommerwand (3122m). Und noch am selben Abend waren Übungen zum Abseilen angesagt.

 

 

 

 

 

 

Wenn das Wetter so gut ist und die Gewitterneigung noch gering, muss man das ausnützen. Und so stand schon am dritten Tag ein Touren-Highlight  an: die Besteigung des Lisenser Fernerkogels, mit 3299m einer der höchsten Gipfel der Umgebung.

Sehr anspruchsvoll bereits der steile Abstieg vom inneren Rinnennieder (Nieder = Scharte) zum Lisenser Gletscher über eine ausgeprägte aber apere Randkluft. Nach der Querung dieses Gletschers forderte der Durchstieg durch die steile „Plattige Wand“ ein gutes Orientierungsvermögen, um den Rotgratgletscher zu erreichen. Dessen teilweise ausgesetzte Querung und der steile Anstieg zu einer Scharte zwischen Rotgratspitze und Lisenser Fernerkogel abverlangte den Teilnehmern ein gehöriges Maß an Mut. Eher leicht dagegen der Anstieg auf den Gipfel über einen Blockgrat mit leichten Kletterstellen 2. Grades.

Ihr strahlendes Lächeln über den Gipfelerfolg und die grandiose Aussicht auf die umliegenden Dreitausender, Ruderhofspitze, Lisenser Spitze, Schrankogel, Schrandele, Seespitzen, Zuckerhütl, Wilder Pfaff bis zum Habicht waren für Tourenführer wie Teilnehmer eine verdiente Belohnung. Ein kurzes Bad im eiskalten Wasser des Rinnensees erfrischte für den schnellen Abstieg zur Hütte, und nach dem Abendessen gab Andreas im Unterrichtsraum noch wichtige Informationen u.a. zur Wetterkunde, denn für die nächsten Tage war mit Hitzegewittern zu rechnen.

Trotz der etwas labiler gewordenen Wetterlage war für den nächsten Tag Klettern angesagt. Der in Hüttennähe zur vorderen Sommerwand führende Grat, eine Mehrseillängentour mit wenigen Stellen im Schwierigkeitsgrat 4-, die zudem noch umgehbar waren, bot sich an. Dort gab es auch ausreichend Gelegenheit, die Verwendung von Klemmkeilen, Friends, Hexentrics und Bandschlingen für Zwischensicherungen und Standplatzbau zu erlernen.

Während Andreas mit Cornelius und Christoph recht zügig unterwegs waren, nahmen sich Anja und Hans ausgiebig Zeit, zu vespern, Fotos zu machen und die grandiose Landschaft zu genießen. Die als möglich angekündigten Gewitter blieben daher aus.

Auf den Touren der vergangenen Tage hatten die Teilnehmer schon Gelegenheit, im weglosen Gelände sich in Orientierung zu üben. Die erworbenen Kenntnisse konnten sie am vorletzten Tag gut gebrauchen, um den Weg über den „Verborgen-Bergferner“ hinauf zur Turmscharte (3126m) zu finden. Außer Steinmännern und Trittspuren gibt es da keine Wegzeichen.

Der Gletscher wies am Übergang zum Fels eine nicht ungefährliche Spalte auf und danach ging es frei und am Seilgeländer hoch in die Scharte.

 

Andreas, Anja, Christoph und Cornelius strebten noch hoch zum Wilden Hinterbergl (3288m), einem beliebten Skitourengipfel, mussten aber sicherheitshalber abbrechen, denn schwarze Wolken kündigten an, womit schon die ganze Zeit zu rechnen war: Gewitter. So ging es zurück über den Wasserfallweg des Alpeiner Gletschers. An einem mit tibetischen Gebetsfähnchen geschmückten Rastplatz entdeckten die Bergsteiger(-innen) eine Erinnerung an die Mannheimer DAV-Sektion aus Steinen am Boden. Nach einem kurzen Regenschauer blieb das mögliche Gewitter aber aus.

 

So schnell waren die Tage vergangen, doch auch der letzte Tag brachte mit den Begehungen des „Höllenrachens“, einem unterirdischen, dem Bachverlauf folgenden Klettersteig und dem „Edelweißklettersteig“ in Hüttennähe abenteuerliche Erlebnisse, die Anja zu einer Zusammenfassung des Erlebten wie folgt veranlassten:

„Ich kann die Ausbildung für wirklich jeden voll und ganz empfehlen. Egal ob Anfänger oder Fortgeschritten… die Ausbilder gehen ganz individuell auf die Bedürfnisse der Teilnehmer ein und gestalten die Tage den vorhandenen Kenntnissen entsprechend. So hatten wir wahnsinnig tolle 6 Tage, welche optimal und abwechslungsreich geplant wurden und in denen wir sehr viel gelernt haben… Sowohl verschieden Sicherungstechniken beim Klettern, als auch bei Hochtouren sowie das Gehen in einer Seilschaft auf dem Gletscher – aber auch die Gefahren und entsprechenden Verhaltensweisen wurden uns näher gebracht. Die Tour ist keineswegs ein Spaziergang… aber genau das gehörte auch zu den tollen Erfahrungen: Einfach mal über seine eigenen Grenzen hinauswachsen, abends völlig erschöpft in einer gemütlichen Hütte ankommen und sich einfach nur noch auf ein gutes Essen und ein kühles Bierchen freuen. Wir sind Wege gegangen, die ich selbst ertmal nicht für begehbar eingeschätzt hätte. 😉 …Aber alles in allem fühlte ich mich sehr gut aufgehoben und bin nach wie vor beeindruckt, was mit Hilfe von entsprechender Ausrüstung und Sicherungstechniken alles möglich ist und mit was für einer tollen Aussicht man oben auf dem Gipfel doch immer wieder auf´s Neue überrascht wird.“

H.H.