„Fünf-Scharten-Tour“ in die Lechtaler Alpen

„Fünf-Scharten-Tour“ in die Lechtaler Alpen – 31.7. bis 5.8.2014

Donnerstag:
Wir – das sind: Klaus, Renate, Rolf, Elisabeth und zwei Dorothees (mit einem Unterschied von ….42 Jährchen) – wollen mit Jürgen Böhm in die östlichen Lechtaler Alpen. Mit einem Männer- und einem Weiberauto geht es von Mannheim bis nach Hochimst hinauf.
Da wir ein wenig Zeit verloren haben, machen wir es uns bequem und fahren mit dem Sessellift bis zur Mittelstation. Von da ist der Aufstieg zur Muttekopfhütte gemütlich. Dort sind die nachmittäglichen Schlutzkrapfen- bzw. Kaiserschmarrn-Portionen so üppig, dass einige beim Abendessen nur noch ein Nudelsüppchen nach schieben können. Mit uns in der Hütte ist eine muntere schwäbische Damentour, die wir später mehrmals wieder treffen werden.

Freitag:
Wir haben eine lange Strecke vor uns: Von der Muttekopfhütte zur Steinseehütte (werden wir das schaffen? Hanauerhütte als Ausweichziel hat, wie wir hören, nur noch Notlager frei). Bei Sonnenschein (hatte nicht jemand von schlechtem Wetter geunkt?) geht es durch die Schaflanne, dann steil und seilversichert zur Muttekopfscharte hinauf. Unsere Scharte Nr. 1 gibt unseren beiden noch nicht so hochgebirgserfahrenen Damen einen ersten Vorgeschmack auf das Weitere. Den Muttekopf selber lassen wir aus Zeitgründen aus. Auf der anderen Seite müssen wir steil bergab, dann auf felsigem, seilversicherten Pfad an den Kübelwänden entlang. Auf der Fundoasalpe wird eine rechtschaffene Pause gemacht, dann steigen wir zum Galtseitenjoch auf; da liegt ein totes Schaferl mitten auf dem Weg, ein betrüblicher Anblick – Weiter geht der Weg mit schöner Fernsicht durch das Schlenkerkar: Da sehen wir weit vor und unter uns die Hanauer Hütte. Die war ja als Ausweichziel angedacht hatten (wenn wir zu k.o. sein sollten – immerhin sind wir schon fast sieben Stunden unterwegs), aber da Rolf gar nicht gern im Massenlager übernachtet, biegen wir tapfer ab und nehmen den stetig ansteigenden Schotterweg zur östlichen Dremelscharte (Nr. 2) hinauf in Angriff. Das letzte Stück, ekelhaft steil, seilversichert, dunkel, schotterig, macht den meisten von uns nur gedämpfte Freude. Als wir unsere zweite Scharte hinter uns haben, öffnet sich wieder eine liebliche Hochgebirgsmattenlandschaft. Mitten drin der Steinsee, in dem unser Klaus ein (sehr kühles!) Bad nimmt. An der Steinseehütte spüren wir nach der über 9-stündigen Tour doch unsere Haxn und Knochen. Auf der sonnigen Terrasse gibt’s den lang ersehnten Radler und später ein leckeres Bergsteigeressen (Gulasch mit Polentastückchen drin, fein!)
Lechtaler 2014_2Samstag:

Bei Sonnenschein wandern wir von der Steinseehütte ein Stückchen hinab und zwischen Mittelkopf und Steinkarspitze zum Gufelgrasjoch hinauf. Durch Felsen, später durch Schotter, steigen wir empor zur Roßkarscharte (Nr. 3). Deren Abstieg hat es nun in sich: Es geht durch eine extrem steile, plattige Rinne hinab, wir hangeln uns – ziemlich Klammeraffen ähnlich – an einem langen, Knoten besetzten Seil hinunter. Als am unteren Ende ein „Oberlehrer“ seine launigen Bemerkungen macht, muss sich Rolf stark zur Gewaltfreiheit zwingen. An Felswänden entlang führt der Steig auf das Gebäudjoch hinauf (Jochs nehmen wir ja nun mit links). Dann heißt es wieder 230 m in steilem und seilversichertem Steig absteigen; der hübsche Bergsee reizt nun auch Klaus nicht mehr zu einem Umweg. Das Württemberger Haus ist trotz seines üppigen Namens eine hübsche, nicht sehr große, gemütliche Hütte. Die Freiluftdusche hinter dem Haus (Schild: „Nichts für Warmduscher“) wird allerdings von keinem von uns in Anspruch genommen. Dafür werden die von der Gegenseite kommenden Wanderer mehrmals und intensiv nach dem „Gratweg“ des nächsten Tages ausgefragt: „Bei gutem Wetter problemlos machbar!“ Na dann, hoffentlich hält das Wetter!

Sonntag:
Es hält! Also los auf den Abenteuerweg zur Memminger Hütte. Erst quert man Wiesenhänge, dann ein Schuttkar und über eine seilversicherte Flanke auf den Grat hinauf: Von da ab ist es ein abwechslungsreicher, felsiger, manchmal schmaler Höhenpfad, der um manche Kanten und ausgesetzte Stellen führt. Aber inzwischen sind wir alle so fit, dass das Muffensausen hinter dem Spaß zurückbleibt und wir das als einen echten Höhepunkt unserer Tour empfinden. Auf der Großbergspitze gibt es ein Gipfelkreuz und endlich Gelegenheit zu Gipfelküsschen und Gipfelbild. Weiter nun auf abschüssigem Steig über das Großbergjoch zur Seescharte (Nr 4!): War da was? Durch Schutt und Geröll hinunter, dann über Wiesengelände zur Memminger Hütte. Das ist nun eine Riesenhütte, offensichtlich mehrfach vergrößert. Und der Andrang ist ebenfalls riesig! Eine ganze Anzahl von Gruppen, größere und kleinere, meist blutjunge Neuwanderer, ist hier anvisiert (einige lassen sich den Rucksack per Lastenaufzug hochfahren – pfui!). Im Damenwaschraum kann man die kecksten Dessous bewundern, in der Gaststube müssen wir warten, bis unser – mehrfach besetzter – Tisch endlich frei wird. Das Tafelgespräch ist ob des Lärmes ziemlich reduziert… Gottseidank haben wir vor dem Abendessen noch eine kleine Tour auf den nahen Kogel gemacht, da war es herrlich ruhig und Klaus konnte uns beim Abstieg ein kleines Blumenseminar halten.

Lechtaler 2014_3Montag:
Erstaunlicherweise sind die Völkerscharen schon recht früh auf und wir gehören zu den letzten, die die Hütte verlassen! Nach einer Regennacht hat sich der Himmel wieder aufgeklärt (was haben wir für ein Glück mit dem Wetter! Immer ist die Voraussage mies und dann hält es doch!) und so können wir den Spiehlerweg in Angriff nehmen: Wir haben eine anspruchsvolle Strecke vor uns, Jürgen und Rolf kennen sie ja von früheren Touren. An den Seewiesen vorbei geht es zur Wegscharte hinauf. Da – vor uns: ein Steinbock! Der bleibt erstaunlich nahe stehen und posiert richtig für unsere Fotoshots. Über uns am Hang können wir eine ganze Steinbock-Sippschaft ausmachen, das freut vor allem Jung-Dorothee, die noch nie einen Stein-bock auf freier Wildbahn gesehen hat. Zum Parseierjoch geht es auf 2560 m hinauf, beim Abstieg hangeln wir uns wieder an Seilversicherungen entlang. Die Reste des Patrolferners bescheren uns eine rutschige (recht eklige) Schneefeldüberquerung, dann geht es über steile Schrofen zur Patrolscharte (Nr 5!) zwischen Parseierspitze und Gatschkopf hinauf. Uff, da gerät man doch ein wenig an seine Kraftgrenzen. Der felsige Abstieg über die Gasillschlucht ist zwar steil und recht klettermäßig, macht aber doch wieder Spaß und lässt uns unbeschadet zur Augsburger Hütte kommen. Das ist nun wieder eine Unterkunft nach unserem Geschmack: klein, freundlich, mit einem herrlichen Ausblick ins Inntal hinunter. Und der nette Hüttenwirt ist der Bruder von unserem (ehemaligen) Mannheimer Hüttenwirt Studer! Das Schnitzel ist groß und die Stimmung wunderbar: Dank an Jürgen, alle haben wir das Gefühl, eine tolle, anspruchsvolle, fröhliche und gemeinschaftliche Tour erlebt zu haben. Und unsere zwei, anfangs noch nicht so Gelände gängigen Damen haben sich von Tag zu Tag gesteigert und wollen jetzt nur noch steile Scharten rauf und runter klettern….

Dienstag:
Abstieg nach Pians, mit dem Bus zurück nach Imst; der nette Dorothee-Papa fährt die Autoholer nach Hochimst hinauf. Abschied und Freude aufs Wiedersehen beim Nachtreffen.

Dorothee Oettli, Klaus Zöller.