Presanella 1.-6. August 2014

Unser täglich Gewitter gib uns heute…

1. August: Bei schönstem Wetter machten sich Uli, Stella, Dietmar, Rainer, Andreas, Christine, Lorenz und Bernd auf, den Parco Naturale di Presanella zu erkunden. Wir trafen uns in der Nähe des Passo Tonale und verringerten durch die Benutzung einer abenteuerlichen Schotterstraße den Aufstieg zur Denza-Hütte um 500 Hm, immer in der Hoffnung, bloß nicht auf Gegenverkehr zu treffen. Presanella 04Kaum den Rucksack aufgesetzt kündigten auch schon die ersten zaghaften Tropfen an, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis sich die dunklen Wolken donnernd entleeren würden. Dieses Wetter war auch der Grund, warum wir fast die einzigen Gäste der Hütte waren. Trotz der Tatsache, dass die Einnahmen als Wirt und Bergführer in dieser Saison recht bescheiden ausfallen würden, versuchte der Hausherr Mirko die Stimmung mit Akkordeon und Gitarre zu heben.

Am nächsten Morgen sah es zunächst so aus, als könnte der Tag etwas freundlicher werden, aber schon bald stellte sich heraus, dass der Aufstieg zur Presanella ein Herumtapsen im Neben werden sollte. Die gelegentlichen Regenschauer bündelten sich im Abstieg zu einem Dauerregen, der uns nach 11 Stunden Tourenlänge ziemlich durchnässt an der Hütte ankommen ließ. Gleiches Spiel am nächsten Morgen: blauer Himmel, der es sich bei unserer Ankunft am Passo Cercen plötzlich anders überlegte. Für ein paar Stunden hatte uns das Gewitter fest im Griff. Der schmale, steile Weg war teilweise recht aufgeweicht, das hohe Gras und das Wasser, das in Bächen überall runter kam, sorgte dafür, dass nicht nur die Hosen, sondern auch die Schuhe durchtränkt waren. Der Übergang zur Mandrone-Hütte zog sich 9 Stunden hin. Dafür war die Hütte gemütlich warm, aufgewärmt von ein paar versprengten Italienern und 40 oberbayerischen Bergsteigern. Die besondere Herausforderung des Abends war das Finden eines Plätzchens für die nassen Klamotten. Wir wissen jetzt, dass auch elektrische Leitungen an der Wand als Wäscheleine zu gebrauchen sind. Unsere Stimmung hat sich durch die warme Stube, die freundliche Bedienung und das außerordentliche gute Essen (Schweinshaxen in rauen Mengen!) deutlich verbessert.

Drei Regentage in Folge sollten reichen und so hatten wir ab jetzt tagsüber „regenfrei“. Presanella 03Wir bestiegen in abwechslungsreicher Gratkletterei die Punta Pisgena, von der man einen atemberaubenden Blick auf die gesamte Gletscherlandschaft der Adamello-Region hat.

Der Übergang zur letzten Hütte ging auch über einen Grat, den Sentiero dei Fiori, auf dem man immer wieder auf Überreste des Ersten Weltkriegs und historische Tafeln trifft. Wir waren die einzigen Bergsteiger auf diesem normalerweise viel begangenen Weg, mussten einige steile Schneefelder queren und sahen – und vor allem hörten wir – unter uns die Après-Ski-Musik von der Terrasse der Cabanna Presena, die inmitten maroder Lifthäuschen die Stellung hält. Wir waren die einzigen Gäste in einem riesigen Haus, wurden freundlich empfangen und sehr gut bewirtet, verbrachten aber eine eisige Nacht in den kleinen Zimmern, sodass sich bei den Mädels der Husten als Dauergast einnistete. Auch wenn sich Dietmar über den unverschämten Preis seiner Abrechnung ärgern musste, so hatte er beim Wünschelrutengehen (= Suche nach Handy-Empfang) ein unerwartetes Glücksmoment und kam freudestrahlend mit einem tollen Fundstück zurück: zwei Vibram-Sohlen, die genau auf seine alten BW-Stiefel passen.

Am 6. August verließen wir um 7 h diese bizarre Gletscher-Ski-Geröll-Baustelle und wanderten 5 Stunden über das satte Grün des Sentiero della Pace zurück zu unseren Autos.Presanella 05

Fazit: Tolle Truppe und trotz viel Wassers von oben und unten eine tolle Tour!

 

Stella Reuter