Via Alta Vallemaggia 9.-16. August 2014

Passo dopo passo – Schritt für Schritt

Sintflutartiger Regen fällt in der Nacht, nicht nur die Maggia ist aufgewühlt, auch an den Ufern des Lago Maggiore hat das Schwemmholz den Stränden zugesetzt.
Aber die Sonne schafft es dann doch, allen Widerwillen zu brechen, und wir machen uns auf die Via Alta Vallemaggia.

1. Station Alpe Cardada (1329 m)
Wilde Bergkühe, die wie Teddybären aussehen, begleiten uns bei den letzten Schritten zu unserem Refugio, das feudalste, das wir auf dieser Tour haben. Abends beim Verdauungsspaziergang erleben wir im Vollmondnachthimmel ein Schauspiel von fernen Gewittern und Wetterleuchten jenseits des Lago.
Am nächsten Morgen machen wir uns bei bedecktem Himmel auf den Weg. Früher oder später kommt er dann doch, der Regen, auch gepaart mit dichtem Nebel, so dass wir suchend um die Ecke biegen und, die Münder blau gefärbt von Heidelbeeren, fast unbemerkt unsere zweite Herberge erreichen.Tessin 03

2. Refugio Nimi (1718 m)
Mit ca. 180 Ziegen, zwei Schweinen, einem Esel, einem Pferd, Hühnern, einem Hund zwei Zwergmeerschweinchen, Pietro, Kathrin und Luisa war diese Alpe gut bevölkert, und wir wurden nicht nur für eine Nacht herzlich empfangen. Unsere durchnässten Socken und Schuhe trockneten über dem Ofen, auf dem die beste Polenta mit den schönsten Geschichten gebacken wurde.

3. Rückkehrrecht
Manchmal ist es besser, einen Weg zurückzugehen, um vorwärts zu kommen.
Unter einem Felsschiefer, der vormals ein Ziegenklo war, entschieden wir uns in strömendem Dauerregen, wieder nach Nimi zurückzugehen. Dort wurden wir wieder aufgenommen: Ziegen melken, barfuß im feuchten Gras flanieren, Bäder kacheln… und verbrachten eine weitere Nacht im Refugio, während der Hütehund a.D. die potentiellen Wölfe fern hielt.

4. Capanna Alpe Masnee (2063 m)
Ziegen wissen, wann, denn heute sind sie schon früh aufgestiegen – für uns der Hinweis, dass wir heute den weiteren Aufstieg wagen können. Wir sehen grandiose Aussichten, Felsen, in der Ferne unsere Siedlung. Tessin 01Die Sonne zeigt sich heute mit all ihrer Kraft und wir kommen ins Schwitzen und schließlich in der Alpe Masnee an: idyllisch, eine in liebevoller Arbeit zurecht gebaute Selbstversorgersiedlung. Es gibt zwei Schlafhäuser, ein Kochhaus und eine Aufenthaltshütte und – in die Felswand geschmiegt – ein Badehaus, das außerdem mit genügend Weinvorräten bestückt ist. Entspannt lassen wir uns auf den Terrassen in der Sonne nieder, spielen mit dem Gedanken, morgen einen Abstecher zum Badesee zu machen.

5. Alles anders
Erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt. Noch am selben Abend zieht ein Gewitter auf, es regnet heftig – ein paar weitere Gäste kommen ins Refugio – und wir bereiten für alle aus den übrig gebliebenen Äpfeln unserer Vorgänger und unseren Vorräten von Proviant die weltbesten Bratäpfel.
Der Regen hält den ganzen folgenden Vormittag an. Erst am späten Nachmittag reißt der Himmel wieder auf – beflügelt uns, so dass wir in Sandalen den Hausberg erstürmen, um den schönsten Himmel mit der besten Aussicht zu genießen. Klar ist, wir gehen morgen weiter.

6. Schlangen auf dem Weg
Der ursprüngliche Plan wird geändert, da wir inzwischen zwei Tage hinterher sind. Deswegen wollen wir erst mal absteigen. Zunächst verpassen wir den Abstieg, da wir nach einer angekündigten Schlange – von denen soll es hier viele geben – Ausschau halten. Sie taucht aber nicht auf. Wir sind schon fast wieder auf dem nächsten Pass angelangt, als klar wird, dass wir wieder umkehren müssen und jetzt besteht uns ein atemberaubender Abstieg ins Tal bevor.

7. Talwärts
Erschöpfung macht sich breit, wir schaffen es heute nicht mehr, wieder auf die nächste
Alpe aufzusteigen, da es schon viel zu spät ist. Deswegen entscheiden wir uns, im Tal zu bleiben und am nächsten Tag noch eine Rundwanderung zum letzten Gipfel zu machen.Tessin 07

8. Capanna Soveltra (1534 m)
Noch einmal ein wunderschöner Aufstieg, Aussichten im Sonnenschein, Seen, Abstieg an Wasserfällen und Ankunft in Fusio.
Ich danke Cilli, Dagmar, Günter und Marcel für diese wunderschöne Tour.

Conny