Vom Königsee zum Hochkönig 13.07.-15.07.2017

Eine Wintertour im Hochsommer

Für die vier Teilnehmer war es eine Tour der Gegensätze: Beginnend mit einer Bootsfahrt über den Königsee inmitten touristischem Trubel, dann durch die  Einsamkeit des Steinernen Meers und der Übergossenen Alm und endend auf dem Gipfel des Hochkönigs im  Matrashaus auf 2941m. Eigentlich war es ja eine Hochsommertour mitten im Juli. Aber es sollte anders kommen! Unten am Königsee , im Trubel der Touristen, nach Verlassen der Saletalm und erst recht später im Röthsteig entlang des Röthwasserfalls, des höchsten Wasserfalls der Ostalpen war es noch drückend schwül und die Wasseralm machte ihrem Namen alle Ehre: Entweder wird man regennass oder schweissnass ankommen. Sei´s drum, gemütlich ist sie allemal, diese alte Hütte und es gab leckeren Eintopf und gute , wenn auch enge, Schlafplätze.

Die Folgetage führten in die Einsamkeit, gerade mal 3 Jungs begegneten uns und schon bei der Schäferhütte, einer Notunterkunft, fing es an, zu regnen und die Wolken „setzten“ sich auf die umliegenden Gipfel. Alles kein Problem, denn die Markierungen waren gut sichtbar und Hans kannte den Weg, den er ja schon zigmal gegangen war. So erreichten die Vier schließlich das Wildalmkirchbiwak auf

2457m. Biwak ist für manche eher abschreckend, hier nicht, nein, die Minihütte lädt förmlich ein. Sie verfügt über acht grosse Betten, Kopfkissen und kuschelige Decken. Aber es gibt kein Wasser! also Schneelöcher suchen, Schnee im Topf auf den Kocher, anzünden und bald ist das erste Wasser für Kaffee, Tee und dann auch für Treckingmahlzeiten bereit. Das dauert seine Zeit aber davon hat man ja bis zum Sonnenuntergang genug. Mit Spannung konzentrierten wir uns auf den Wetterbericht für den kommenden Tag, an dem die Königsetappe anstand. Und er hätte kaum schlechter sein können: Duchzug eines Tiefausläufers, Sinken der Schneefallgrenze auf 2100m und reichlich Niederschläge und Starkwind waren angekündigt. Fazit: „Schaun mer mal“. Die innere Unruhe weckt schon um 04:30 und ein erster Blick nach draußen zeigt: die Prognose war richtig. Ringsum alles weiß und eine Sicht von vielleicht 100m. Mit zunehmender Helligkeit besserte sich das ein wenig, lud aber keineswegs zum Start ein. Dennoch zogen wir los, denn wir hatten unsre Ausrüstung angepasst, incl. GPS-Gerät mit Trackaufzeichnung aus dem Vorjahr. So war der Aufstieg auf das Brandhorn (2610m) unproblematisch. Danach aber begannen die

zeitraubenden Schwierigkeiten. Kaum eine Markierung war zu sehen und die Sichtweite beschränkte sich auf ca. 50m. Normalerweise sieht man das Matrashaus schon aus dieser Entfernung, auch wenn es noch 5 Std. Gehzeit entfernt ist. Aber diesmal nix, nicht mal nähere Gipfel. Immer wieder Blicke auf das GPS – Gerät . Hinzu kamen knifflige Passagen leichter Kletterei und Gratwege, die keinen Ausrutscher auf dem schneeglatten Fels erlaubt hätten, weite Stürze wären die Folge gewesen. Also war höchste Konzentration geboten und zwar nicht nur auf die Wegfindung, sondern auch für die Trittsicherheit. Schließlich erreichten wir die niedere Torscharte, von wo aus ein Abstieg nach Hinterthal möglich gewesen wäre. Aber nein! Wir wollten durchkommen! So ging es zunächst in einfacherem Gelände relativ schnell hoch zum Herzogsteig, dessen Passagen ohne Schwierigkeiten gemeistert wurden. Doch dann kam der Anstieg zum Gletscher, der noch zu queren war. Und das kostete Kraft, Konzentration und Zeit, Zeit, Zeit. Die glattgeschliffenen Felsen, normalerweise griffig, waren schneebedeckt, manchmal sogar vereist. Markierungen nur selten sichtbar und die Sicht nur in wenigen Momenten etwas geöffnet. Glücklicherweise ist die Übergossene Alm -so heißt der Gletscher- recht flach und vor allem spaltenfrei. Aber der Sturm hatte über den Grat zwischen Hochsailer, Lamkopf und Hochkönig viel Schnee geblasen und manchmal musste man durch hüfthohe Verwehungen spuren. Und das kostete Kraft. Letztlich noch einige Aufstiege und dann war es geschafft. Nach über 9 Stunden wo man sonst rund 6 Stunden braucht, erreichten wir das Matrashaus. Es war fast leer, so gut wie alle hatten abgesagt, was uns statt Lager Betten bescherte und zur Begrüßung einen Schnaps von Roman, dem Hüttenwirt, der nicht glauben mochte, dass wir diese Tour dann doch gewagt hatten. Fix und fertig fielen wir in die Kojen und der Abstieg am nächsten Tag und die Heimfahrt waren „pure Erholung“.

Hans Henninger