Die Graubündner Haute Route verlangte unserer Gruppe über fünf Tage hinweg alles ab: anspruchsvolles Gelände, wechselhafte Bedingungen und lange Etappen prägten diese eindrucksvolle Skidurchquerung.
Nach der Anreise und einer Übernachtung in Bivio starteten wir am Julierpass in die Tour. Der Auftakt erfolgte bei Nebel, den wir im Aufstieg unter uns ließen. Damit wählten wir die Route mit der Überschreitung des Piz Surgonda zur Hütte. Ein Wetterumschwung am Gipfel zwang uns trotz Gipfelbesteigung auf die niedrigere Route über den Pass zur Jenatschhütte zu wechseln. Nach rund 1150 Höhenmetern war die erste Etappe geschafft.
Am nächsten Tag folgte bei strahlendem Sonnenschein der Aufstieg auf den Piz Laviner mit kurzer Kletterpassage zum Gipfel. Die anschließende 1400 Höhenmeter lange Abfahrt nach Preda war ein wahrhafter Genuss bei Bilderbuchwetter und tollem Schnee. Nach der Bahn /Busfahrt nach Madulain führte ein weiterer, kräftezehrender Anstieg – teils mit Skiern am Rucksack – zur Chamanna d’Es-cha. Insgesamt summierten sich an diesem Tag rund 1500 Höhenmeter Aufstieg.

Die Königsetappe zum Piz Kesch stellte uns bei schlechter Sicht und leichtem Schneefall vor besondere Herausforderungen. Über den Gletscher ging es bis zum Skidepot, bevor die letzten 200 Höhenmeter mit Steigeisen und Pickel über einen ausgesetzten Grat teilweise mit Seilsicherung zum Gipfel führten. Während größere Gruppen umkehrten, wurden wir mit einem einsamen Gipfelerlebnis belohnt.

Klettern auf den Piz Kesch (Cosima und Clemens)
Bei Sonnenschein führte uns der vierte Tourentag ins Val Funtauna und weiter zum Scalettahorn. Die heikle Lawinensituation erforderte eine umsichtige Aufstiegsroute. Nach passieren des Piz Grialetsch wählten wir den zusätzlichen Aufstieg zum Piz Sarsura. Mit der anschließender Abfahrt über das Vadret da Grialetsch zur Grialetschhütte wurde dieser Tag mit rund 1600 Höhenmetern und 21 Kilometern zur konditionellen Schlüsseletappe.
Zum Abschluss erreichten wir nach einem letzten Anstieg unterhalb der Rothornfurgga Davos über eine lange, genussvolle Firnabfahrt.
Die Durchquerung zeigte eindrucksvoll den hochalpinen Charakter der Graubündner Haute Route.
Neben Ausdauer waren vor allem alpine Erfahrung, sicheres Verhalten im anspruchsvollen Gelände und flexible Entscheidungsfindung gefragt. Eine intensive und eindrucksvolle Bergtour, die uns allen in guter Erinnerung bleiben wird
