mountainXperience 2026 – Klettersteige für Frauen im Montafon

An vier Erlebnis- und abwechslungsreichen Tagen vom 15.06.-18.06.2026 rund um die Carschina Hütte im Montafon und der Sulzfluh mit ihren herausfordernden Klettersteigen, unter der Flagge „mountainXperience 2026- Klettersteige im Montafon für Frauen“, stellten 3 ambitionierten Frauen Diana Tichy, Anja Flößer und Liudmila Novikava unter der Führung Ihres Ausbilders Wolfgang Engelter ihr Gelerntes und Können unter Beweis.

Der Weg zum 2817 m hohen markanten Sulzfluh Kalkgipfel im Rätikon begann Anfang Februar, als das „mountainXperience 2026- Klettersteige im Montafon für Frauen“ Projekt ins Leben gerufen wurde. Der Fokus des Ausbildungskonzeptes lag in zahlreichen theoretischen und praktischen Übungseinheiten, die die Teilnehmerinnen nicht nur physisch und mental für die anspruchsvolle Tour vorbereiten sollten, sondern auch Teamgeist und gegenseitiges Vertrauen im Team bilden.

Das viereinhalbmonatige Vorbereitungsprogramm beinhaltete unter anderem von Diana ausführlich ausgearbeitete und durchgeführte Konditionseinheiten (Grundausdauer I, Kraft & Stabilität, Grundausdauer II), Ausrüstungskunde, Tourenplanung mit AlpenVereinAktiv-App, Wetterkunde, Knotenkunde, Gehen mit Stöcken und einem, Ausbildungswochenende, an dem alle Teilnehmer zahlreiche Fälle mit erster Hilfe am Berg durchführen konnten. Kameradschaft / Kennenlernen sowie die Vertiefung der Wetterkunde, Grundausdauer / Entspannungsübungen, Knotenquiz waren ebenfalls Bestandteil des Ausbildungswochenendes im Odenwald. Alle Module wurden in abwechslungsreichen Abenden und Tagen durch die Trainer Wolfgang, Dietmar und Rolf, sowie dem Ärzteteam rund um Maren, Khio und Timo angeboten.

Ein wichtiger Teil der Vorbereitung zur Klettersteigtour waren von Wolfgang mit Bedacht vorbereiteten und im Kletterzentrum des DAV Weinheim durchgeführten Klettersteigausbildungseinheiten mit zahlreichen Übungen unter anderem sicheres Gehen im Klettersteig, Rettungstechniken aus dem Klettersteig, erste Hilfe am Drahtseil. Der Fokus lag sowohl eine Routine bei verschiedenen Situationen zu entwickeln als auch Teamgeist zu stärken, sich als eingespieltes Team zu festigen.

Tag 1. Aufstieg zur Carschina Hütte über den Partnungblick Familien-Klettersteig.

Am Montag den 15.06. war es so weit. Vom Parkplatz bei St. Antönien (1630 m.ü.M), bei angenehmen Wetterbedingungen marschierten wir voller Ehrgeiz und Vorfreude hinauf zur Carschina Hütte (2236 m.ü.M). Die Route führte uns durch die malerische Alpenlandschaft zwischen den grünen, blühenden Hügel am Partnunsee vorbei. Gegen 14:30 Uhr nach ca. 2,5 Stunden Aufstieg erreichten wir den Einstieg des Partnunblick Familien-Klettersteigs (200 m Höhenmeter), der unter der Gamstobelwand rechts der Sulzfluh liegt. Klettersteig Ausrüstung angelegt, gegenseitig geprüft, kletterten wir mit dem schönen Blick auf den tiefblaue Partnunsee hinauf. Nach einer halben Stunde erreichten wir den Ausgang aus dem Klettersteig. Nach einer Trink- und Fotopause gingen wir über den mit Metallketten gesicherten Abstieg, der Trittsicherheit erforderte, zu der Route, die uns weiter teils auf dem Prättigauer Höhenweg zur Carschina Hütte, führte.  Nach der Anmeldung bei der Hüttenwartin Sonja und einem Erfrischungsgetränk gingen wir ins Zimmer, um uns für das Abendessen, das ab 18:30 Uhr laut Hüttenordnung für die Gäste bereitsteht, frisch zu machen. Nach dem leckeren 4 Gänge-Menü verbrachten wir den restlichen Abend in einem geselligen Kreis mit dem Rückblick auf den ersten Tag unserer Tour und mit den lebhaften Geschichten aus der Bergwelt.

Tag 2. Bergtour zum Sulzfluh Gipfel über den Sulzfluh Klettersteig.

Ausgeschlafen, gut gefrühstückt starteten wir bei guten Wetterbedingungen in bester Stimmung und leicht aus Vorfreude aufgeregt zum Sulzfluh Klettersteig, der mit seiner Länge von 750 m und 457 HM luftig durch die Südwand der Sulzfluh zieht. Nach ca. 1,5 Stunden Gehen durch die wunderschöne Landschaft erreichten wie die Einstiegsstelle. Nach dem Anlegen der Klettersteigausrüstung, der Bestimmung der Gehreihenfolge und der kurzen mentalen Einstimmung von Wolfgang Engelter starteten wir in angenehmem Tempo voller Vorfreude den Aufstieg zum Sulzfluh Gipfel mit seiner Höhe von 2817 m.ü.M. Auf dem Weg zum Gipfel erwartete uns tadellos angelegte, mit Klammern und kurzen Leitern abgesicherter Zick-Zack Aufstieg, mit den überwältigenden Aussichten sowohl in die endlose Weite mit vielen Berggipfeln, die zum Teil Schneereste aufweisen, als auch in die atemberaubende Tiefe mit dem grandiosen Blick auf den Partnunsee, saftig grüne Almwiesen und schroffe Felsen. Nach etwa 1,5 Stunden Klettern erreichten wir eine markante Stelle, die den Namen „Bänkli“ trägt. Dort stärkten wir uns vor dem letzten, mit zum Teil überhängenden Passagen, Abschnitt des Klettersteigs. Nach einer kleinen Rastpause starteten wir gut gelaunt und in bester Form den abschließenden Klettersteigabschnitt. Gegen Mittag erreichten wir stolz den Sulzfluh Gipfel mit seinem grandiosen 360 Grad Panorama. Der Klettersteig war geschafft – ein großartiges Gefühl! Nun begann der Abstieg, der uns über einige Schneefelder, riesige Felsen, bizarre Landschaften und mit großen Kalksteinplatten, mit in die Tiefe blickende Spalten aufwiesen. Beim Abstieg entschied der Bergführer über die Tilisuna Hütte zu gehen. Die letzten Kilometer bis zu Carschina Hütte kamen uns sehr zäh und endlos vor. Die anspruchsvolle lange Tour zehrte ein wenig an unseren Kräften. Als wir kurz nach 19:00 Uhr und nach 16 Km Bergtour mit seinen 1160 HM zu unserer Basis ankamen, erwartete auf uns eine köstliche Abendverpflegung. Die längste und anspruchsvollste Route über den Sulzfluh Klettersteig war mit Erfolg bewältigt.

Tag 3. Bergtour von der Carschina Hütte zur Lindauer Hütte.

Unser letzter Tag auf der Hütte begann mit durch die Wolkenansammlung blickenden Sonnenstahlen. Wir hatten eine angenehme ca. 10 km lange Rundtour mit ca. 660 HM Ab- und Aufstieg und dabei eine malerische Alpenlandschaft, die vieles zu bieten hatte, blühende Almwiesen, steinige und enge Geh Pfade, schroffe Felsen, noch viele Schneefelder, Geröll und strauchige Latschenkiefern vor uns. Gegen 10:00 Uhr standen wir am markanten Drusator (2343 m.ü.M), einem Gebirgspass, der die Schweiz von Österreich trennt. Hier öffnete sich ein sagenhafter Blick auf die markanten „Dri Türm“ (Drei Türme), wie die Einheimische sie nennen, drei Gipfel in der Drusenfluh – Gruppe. Von hier ging es steil hinab, anfangs durch ein felsiges Blockgelände, einige Schneepassagen, später über Latschenfelder und bunten Almwiesen. Gegen 12:00 Uhr erreichten wir die Lindauer Hütte und freuten uns auf ein kühlendes Getränk und eine köstliche Almküche. Die Alpenvereinshütte der Sektion Lindau war bei so einem herrlichen Juni Tag gut besucht. Nach der köstlichen Verpflegung, gut ausgeruht, mit ein paar gekauften T-Shirts, die die „Dri Türm“ abbildeten, begaben wir uns auf dem Rückweg. Spät abends standen wir auf der Terrasse der Carschina Hütte und genossen das Sonnenuntergangsschauspiel mit der Schesaplana (der höchste Berg im Rätikon) als Hauptdarsteller, die in rötlichen Farben in den letzten Sonnenstrahlen wie ein Feuer leuchtete. Unser letzter erlebnisreicher Wandertag war zu Ende.

Der Tag der Rückkehr nach Hause begann mit der herzlichen Verabschiedung von den Hüttenwarten Sonja und Nicola und einem gemütlichen Abstieg zum Parkplatz.  Unterwegs hielten wir uns am Partnunsee um uns bei der strahlenden Sonne eine kleine Abkühlung in dem tiefblauen Bergsee zu gönnen. Herrlich! Auch der Genuss der regionalen Küche auf dem Rückweg zum Auto durfte uns nicht entgehen. Am Parkplatz angekommen waren die Gefühle eine Mischung aus Freude, Stolz, Zufriedenheit, angenehme Müdigkeit und die Hoffnung diese wunderschöne, viel bietende Berglandschaften des Rätikon und Prägittau bald wieder erleben zu dürfen.

Das Projekt „mountainXperience 2026- Klettersteige im Montafon für Frauen“ wurde erfolgreich abgeschlossen.

Text: Liudmila Novikava

Bilder: alle im Team