In kleiner Gruppe starteten wir am Freitag den 11.04.25 von Realp in die Urner Haute Route. Aufgrund eines zu erwartenden Wetterumschwungs konnten wir nicht gewiss sagen, ob wir das Ziel, Engelberg, nach 5 Tagen Skidurchquerung erreichen werden. Das Wetter war für den ersten Tag sonnig und ungewöhnlich warm. Ein Winter mit wenig Schnee und intensiver Sonneneinstrahlung erforderte die Ski, zumindest die erste Stunde, auf dem Rucksack zu tragen. Eine Fortbewegung an die wir uns gewöhnen mussten, denn auch im weiteren Verlauf der Tour boten die Passagen unter 2300m mit Südausrichtung zu wenig Schnee für einen Aufstieg mit Ski. Glücklicherweise sind die Abfahren überwiegend nordseitig, so dass uns der Schneemangel dort nicht traf.
Die Albert-Heim-Hütte bot uns einen wundervollen Ausblick auf den Zustieg und einen ersten Einblick auf die nächste Etappe.
Mit Stirnlampe gerüstet, ging es am nächsten Morgen bereits um 05:30 in eine steile Abfahrt hinunter, um kurz darauf den Aufstieg zum Lochberg zu vollziehen. Über eine steile Rinne, gerüstet mit Steigeisen und Eispickel, erreichten wir den Gipfel für die Überschreitung in das Göschenertal. Eine ruppige Nordabfahrt per Ski führte uns zum Stausee. Von hier aus folgte eine lange südseitige Wanderung. Als wir endlich genügend Schnee antrafen, folgte ein steiler Sommerwanderweg zu Hütte.
Die kleine Chelenalphütte versorgte uns Bestens in vollkommener Abgeschiedenheit mit wenig Strom und keinem Handynetzempfang.
Der Sonntag startete mit einer steilen Tragepassage. Als es flacher wurde setzten wir den Aufstieg per Ski fort. Der Wetterumschwung setzte ein und die Sicht wurde zunehmend beeinträchtigt. Wir erreichten trotz weniger Meter Sicht das Sustenlimi (Übergang zum Steingletscher). Mit Zuversicht auf Wetterbesserung und dem regelmäßigen Checken des Wetterberichtes via Smartphone, stiegen wir weiter auf zum Sustenhorn. Schon nach ca. 45 min wurden wir mit schönster Aussicht belohnt. Die Abfahrt vom Gipfel über den Gletscher war zeitweise wieder im dichten Nebel, so dass wir zur Sicherheit am Seil abgefahren sind. Die Lodge am Steingletscher bildete einen Kontrast zu den vorherigen Unterkünfte. Sie konnte jedoch mit einer warmer Dusche punkten. Leider hatten wir in den folgenden Nächten keinen Frost mehr und so fehlte die stabilisierende Wirkung der Schneedecke. So war auch die Abfahrt vom Fünffingerstöck bereits ab 2600m sulzig. Die Querung zu nächsten Hütte erfolgte daher mit Sicherheitsabständen. Die gemütliche Sustlihütte war dann unsere letzte Unterkunft, bevor es am letzten Tag über den Grassen, bei mäßiger Sicht, abwärts nach Engelberg ging. Der komplette Wetterumschwung folgte am Abend unserer Rückfahrt mit viel Neuschnee und erheblicher Lawinengefahr. Just in Time habe wir die Tour freudestrahlend absolviert.
Text und Bilder: Clemens Köhler
