Jugendweltmeisterschaften 2026 im Eisklettern in Malbun

„Hast du Lust, an einem Weltcup teilzunehmen?“ – so lautete die Frage Anfang Dezember an unsere U16. Es ging um die Teilnahme an der Jugendweltmeisterschaft im Eisklettern in Malbun. Das Ice Climbing Team Germany hatte uns angesprochen und gefragt, ob Interesse an Eis-Wettkämpfen besteht. Daraus hat sich dann ergeben, dass ein Start für die U16 in Malbun denkbar wäre. Vielleicht wird Eisklettern ja auch olympisch – auch spannend. 🙂

Warum nur die U16? Die U16 startet bei den Eis-Wettkämpfen im Toprope, und bei der kurzen Vorbereitungszeit war ein Start im Vorstieg dann doch zu ambitioniert. Im Toprope erschien das aber machbar.

Nachdem Sophie, Maxi und Jonathan grundsätzlich Interesse daran hatten, ging es mit der Planung los: Wo können wir trainieren? Wo bekommen wir die Schuhe her? Wer erstellt die Lizenzen? Wie läuft die Anmeldung ab? Können wir das Ganze mit dem laufenden Wintertraining kombinieren? Welche Bekleidung benötigen wir? Viele Fragen – und nur ca. 6 Wochen Zeit …

Das Ice Climbing Team Germany pflegt einen engen Kontakt mit dem niederländischen Eiskletterteam und trainiert auch regelmäßig gemeinsam. Marianne van der Steen vom niederländischen Team hat über die letzten Jahre ein Jugend-Eiskletterteam aufgebaut und angeboten, uns bei unserem ersten Cup zu unterstützen. Die Fruit Boots – das sind Eiskletterschuhe mit nur einem Frontzacken – haben wir von Marianne bekommen. Herzlichen Dank dafür! Ohne die Fruit Boots wäre ein Start nicht möglich gewesen.

Dann haben wir noch ein Trainingslager mit einem Teil des Jugend-Eiskletterteams direkt in Utrecht geplant. Der Plan war, zwei Tage an „echten“ Routen mit den „echten“ Holzplatten zu üben. Außerdem haben wir eine Drytooling-Spraywall an unseren Turm an die Speedwand geschraubt, um die wichtigsten Bewegungen zu üben und Klettermeter zu sammeln.

Die ganze Vorbereitung wurde ergänzt durch einen Trip in den Eispark im Pitztal und eine Einheit in unserer selbstgebauten Boulderscheune, wo wir noch einige Bewegungen geübt haben.

Dann war es auch bereits so weit, und der Weltcup stand vor der Tür: Am Donnerstag, den 29.01., ging es nach Malbun, um rechtzeitig um 17:00 Uhr bei der Registrierung zu sein.

1. Tag – Registrierung

Angekommen in Malbun, wurde als Erstes der Eisturm und die Quali-Routen angeschaut, die Registrierung vorgenommen, das restliche deutsche und niederländische Team getroffen und mit Unterstützung von Marianne die Eisgeräte auf Vordermann gebracht.

Dann ging es direkt zurück in die Jugendherberge, und die Routen und Taktiken wurden im Detail durchgesprochen.

2. Tag – Qualifikation

Gleich um 9:00 Uhr ging es los mit der Qualifikation für die U16. Für das Aufwärmen war eine Turnhalle vorgesehen; Möglichkeiten, direkt am Eisturm zu klettern, gab es nicht. Dafür wurden ein paar Griffe an die Sprossenwände gehängt.

Sophie durfte als Erste in die Q1-Route starten: 4 Minuten Kletterzeit – nicht viel. Der erste Teil der Route war im Eis, dann ein Drytooling-Abschnitt, oben ein weiter Schulterzug (oder auch Sprung), der sich als die Schlüsselstelle der Route herausstellte. Zum Abschluss dann noch ein paar Meter im Eis.

Sophie schaffte souverän die Schlüsselstelle – genau so einen Zug hatten wir auch in Utrecht geübt. Oben im Eis war dann kein Problem mehr, aber für ein Top reichte die Zeit gerade nicht mehr aus.

Maxi war als Zweiter dran: Gleich zu Beginn ein Ausrutscher, der fast fatal gewesen wäre. Maxi konnte ihn aber noch abfangen, legte dann souverän los und toppte die Route fast.

Jonathan kletterte ebenfalls zügig durch das Eis und erreichte schnell den Drytooling-Abschnitt. Ein weiter Zug in einen Steinpull wurde ihm aber zum Verhängnis – er konnte die Schlüsselstelle der Route nicht mehr erreichen.

Q2 war dann eine Route, die gleich von Anfang an höchste Präzision erforderte: Von Beginn an Schulterzüge an sehr kleinen Griffen – oben raus dann wieder Eis, wo man die Zeit von unten ein Stück weit aufholen kann.

Sowohl Sophie als auch Maxi konnten souverän toppen, sogar mit genügend Restzeit. Jonathan war im unteren Teil leider etwas unvorsichtig und belastete einen der Griffe nicht ganz optimal, was direkt zu einem Rutscher führte. Schade – damit konnte sich Jonathan nicht für die Finalrunde qualifizieren. Sophie und Maxi dagegen zogen als Zweite und Dritte in die Finalrunde ein – kaum zu glauben, wenn man sich die Vorbereitungszeit anschaut. Eine mega Leistung von beiden!

3. Tag – Finale

Das Finale der U16 war wieder früh am Morgen – um 9:00 Uhr sollte es losgehen. Davor: eine Stunde Isolation und Besichtigung der Route. Der Plan war also, bereits um 7:30 Uhr mit dem Aufwärmen anzufangen.

Sophie und Maxi waren hoch motiviert, tolle Stimmung in der Isolation. Die U16-Finalistinnen und -Finalisten kamen aus den USA, der Schweiz, Spanien, den Niederlanden, Tschechien, Liechtenstein und Deutschland – die Abstimmung bei der Besichtigung lief auf Englisch. Die Aufregung bei Sophie und Maxi war deutlich spürbar. Die Finalrouten waren diesmal ohne Eis, an einem anderen Abschnitt der Holzwand.

Maxi startete als Erster mit einem beeindruckenden Flow. Dann erreichte er die Schlüsselstelle der Route: eine Kette, an der Schwung geholt werden muss, um den nächsten Griff zu erreichen. So einen Zug hatten wir bisher nicht geübt, und die Schwungauslösung war schwierig – Maxi konnte den Zug im Onsight nicht knacken. Insgesamt kamen vier an dem Punkt nicht weiter, zwei konnten jedoch den nächsten Griff berühren (+0,1 Punkte). Damit erreichte Maxi einen tollen 7. Platz beim WYC 2026.

Sophie war direkt nach Maxi dran. Ihre Route war schwer zu lesen, und das Holz war ungewohnt hart. Daher lief es am Anfang nicht so flüssig wie in der Qualifikation, und die Zeit rannte davon. Oben raus musste es dann schnell gehen – dabei rutschte ein Fuß bei einem weiten Zug in einen Steinpull. Trotzdem: tolle Leistung und ein super starker 4. Platz beim WYC 2026!

Nach dem Finale waren wir noch eine Runde bouldern im Steinblock Dornbirn – als Vorbereitung auf den ersten Boulder-Wettkampf der Saison.

Rückblickend war die spontane Teilnahme an den Weltjugendmeisterschaften im Eis ein voller Erfolg: viele neue Bewegungen gelernt, neue internationale Kontakte geknüpft, und das Drytooling-Training hatte sogar einen positiven Effekt auf die Boulder-Performance: für alle drei war der Boulderwettkampf in TOP Boulder Malmsheim ein Erfolg.

Starten wir in der nächsten Eis-Saison? Gut möglich – es bleibt spannend. 😉

Text und Bild: Oliver Gobin