Wer im Frühjahr Lust auf eine Kombination aus Bergen und Meer hat, dabei keine allzu lange Anreise möchte und schon im April bei T‑Shirt und kurzer Hose unterwegs sein will, ist in Ligurien genau richtig. Und ja – für die Mutigen ist sogar ein Sprung ins Meer drin.
Nachdem ich bereits 2024 eine DAV-Tour mit Standort in Sestri Levante angeboten hatte und wir damals eine rundum gelungene Woche erleben durften, war für mich schnell klar: Das mache ich noch einmal. Dass die Tour 2026 dann schon nach zwei Tagen ausgebucht war, hat mich ehrlich gesagt selbst überrascht – und natürlich sehr gefreut.

Dieses Mal fiel die Wahl auf Camogli – und schon bei der Ankunft war klar, dass sich die Entscheidung gelohnt hat. Unsere Unterkunft lag oberhalb des kleinen, farbenfrohen Hafens, mit Blick aufs Meer. Besonders in den Abendstunden, wenn das Licht weich wurde und die Boote im Wasser schaukelten, hatte der Ort eine ganz besondere Atmosphäre. Der Blick hinüber zur Kirche und der kleinen Burg auf dem Felssporn wirkte fast unwirklich – wie aus einem Gemälde.
Von Camogli aus konnten wir direkt in den Portofino-Nationalpark starten. Ziele wie San Rocco, San Fruttuoso oder Portofino selbst waren gut erreichbar und gehörten natürlich zum Programm. Allerdings haben wir schnell gemerkt: Am Wochenende sollte man diese Klassiker besser meiden. Selbst im April war dort erstaunlich viel los – und aus der ruhigen Wanderung wurde schnell ein kleines „Sehen und Gesehenwerden“.
Umso schöner war es, dass wir abseits dieser bekannten Punkte immer wieder unsere Ruhe fanden. Besonders zwischen Rapallo und Monterosso al Mare waren wir teilweise stundenlang allein unterwegs – nur wir, die schmalen Pfade, das Meer unter uns und dieser typische Duft nach Pinien und warmer Erde.
Organisatorisch lief vieles angenehm unkompliziert: Mit Zug, Bus und Schiff kamen wir gut und günstig von A nach B. Nur rund um die Cinque Terre wurde es dann doch deutlich voller. Ein kleines Highlight war fast schon, dass wir überhaupt noch auf das Schiff von La Spezia nach Portovenere gekommen sind. Aber auch hier galt: Kaum ließ man die Orte hinter sich und stieg auf die höher gelegenen Wege auf, wurde es ruhig – und die Ausblicke waren jede Anstrengung wert.

Ein Konzept, das sich wieder bewährt hat, war die flexible Gestaltung der Etappen. Durch Bahnanschlüsse zur Mittagszeit konnte jeder für sich entscheiden, wie viel er an dem Tag gehen wollte. So kam wirklich jede und jeder auf seine Kosten. Und wie so oft gab es auch diesmal einige, die scheinbar nie genug bekommen konnten und nach der offiziellen Tour noch eine „kleine Zusatzrunde“ drangehängt haben. 
Was mir besonders in Erinnerung bleibt, ist neben der Landschaft vor allem die Stimmung in der Gruppe. Es war eine sehr angenehme, unkomplizierte Woche mit vielen netten Gesprächen, gemeinsamen Erlebnissen und genau der richtigen Mischung aus Aktivität und Genuss.
Ich schaue sehr gerne auf diese Tage zurück – und ein bisschen Ligurien-Sehnsucht ist auf jeden Fall geblieben.
Text und Bilder: Hans-Jörg Backes
