Wilder Kaiser – fünf Tage, zehn Leute und ganz viel Kaiserschmarrn

Fünf Übernachtungen, drei Hütten, zehn Bergbegeisterte und jede Menge schöne Erinnerungen: Vom 30. August bis zum 4. September waren wir gemeinsam im Wilden Kaiser unterwegs. Und wie es sich für eine ordentliche Bergtour gehört, hatten wir alles dabei: traumhafte Ausblicke, gemütliche Hütten, gutes Essen, kleine Abenteuer – und natürlich auch Begegnungen mit der einheimischen Tierwelt, die nicht ganz so begeistert von unserem Besuch war wie wir von ihr.

Übernachtet haben wir zweimal im Hans-Berger-Haus, einmal im Stripsenjochhaus und zweimal auf der Gruttenhütte. Das Wetter meinte es ausgesprochen gut mit uns: Sonnenschein, klare Sicht und Temperaturen, bei denen man sich irgendwann fragte, ob wir eigentlich zum Bergsteigen oder zum Sonnenbaden unterwegs waren.

Los ging es unter anderem über den Bettlersteig. Der Name versprach zunächst nicht unbedingt Reichtum, aber wir kamen glücklicherweise nicht als Bettler zurück. Stattdessen wurden wir mit grandioser Natur, beeindruckender Bergwelt und einer gemütlichen Einkehr in der Kaindlhütte reichlich entschädigt.

Besonders beeindruckend war der Höhenweg in Richtung Zahmer Kaiser mit der herzlichen Bewirtung auf der Hochalm.

Allerdings zeigte sich dieser Weg alles andere als zahm.

Eine Gruppe Wespen, die von den Holzarbeitern zuvor noch als ausgesprochen harmlose und freundliche Bergbewohner beschrieben worden war, hatte offenbar eine etwas andere Meinung von uns. Kaum kamen wir ihrem Nest zu nahe, wurde aus der freundlichen Begrüßung eine ziemlich eindeutige Aufforderung zum sofortigen Rückzug.

Fünf von uns bekamen dabei eine schmerzhafte Lektion in alpiner Gastfreundschaft.

Dank Hyposensibilisierung und Kortisonsalbe blieben ernsthafte Reaktionen aus. Die Stiche selbst waren allerdings deutlich weniger freundlich als die vorherige Beschreibung der Wespen.

Die klassischen alpinen Gefahren konnten wir später ebenfalls beobachten – diesmal allerdings aus sicherer Entfernung und gewissermaßen mit VIP-Plätzen.

Bei einer Hubschrauberrettung konnten wir das Geschehen aus der ersten Reihe verfolgen. Auch wenn nicht Michi gemeinsam mit Markus und Katharina von der Bergrettung zum Einsatz kamen – was bei den Mädels durchaus für gewisse Enttäuschung sorgte –, konnten sie den unwissenden männlichen Teil der Gruppe anschließend ausführlich über die Arbeit der Bergretter informieren.

Für uns blieb vor allem die Erkenntnis: Die Bergwelt ist beeindruckend, aber eben nicht ungefährlich. Und wenn ein Hubschrauber plötzlich zum eigenen Unterhaltungsprogramm gehört, ist man ganz froh, wenn man dabei lediglich Zuschauer ist.

Steinerne Rinne und Fleischbank:

Eine Landschaft, bei der man eigentlich ständig stehen bleiben möchte, obwohl der Weg einem sehr deutlich signalisiert: „Wir könnten auch irgendwann mal weitergehen.“

Also standen wir, natürlich nur, um die Aussicht zu genießen. Und keinesfalls, um kurz Luft zu holen.

Jubiläumssteig und Bergdoktor-Land:

Auch der Jubiläumssteig machte seinem Namen alle Ehre und zeigte uns einmal mehr, warum der Wilde Kaiser zu den beeindruckendsten Bergregionen der Alpen gehört.

Dazu der Blick hinüber in die Gegend rund um die Heimat des Bergdoktors – diesmal allerdings nicht aus dem Fernsehen, sondern live und in Farbe.

Wobei man schon feststellen muss: Im Fernsehen sieht das mit dem Bergsteigen irgendwie deutlich entspannter aus.

Ein weiterer Höhepunkt war natürlich die Gaudiamushütte – beziehungsweise bei einigen von uns inzwischen nur noch die „Gaudimaus“.

Dort gab es einen Kaiserschmarrn, der sich völlig zu Recht den Titel „bester Kaiserschmarrn der Alpen“ verdient hat. Zumindest innerhalb unserer Gruppe wurde diese Auszeichnung einstimmig und ohne Gegenstimme vergeben.

Weitere Bewerber waren an diesem Tag allerdings auch nicht zugelassen.

Der krönende Abschluss: Baden statt Bergsteigen

Zum Abschluss gab es dann noch eine ganz besondere Form der Regeneration: ein Bad im glasklaren und überraschend gar nicht so kalten Hintersteiner See.

Nach fünf Tagen Bergsteigen war das genau das Richtige.

Wobei „Bad“ bei einigen vermutlich eher bedeutete: vorsichtig bis zu den Knien ins Wasser gehen, laut verkünden, dass es „gar nicht so kalt“ sei, und anschließend möglichst schnell wieder herauszukommen.

So bleiben von diesen fünf Tagen vor allem viele schöne Erinnerungen: an traumhaftes Wetter, beeindruckende Wege und Ausblicke, gemütliche Hütten, gutes Essen, nette Menschen, kleine Abenteuer und die eine oder andere unerwartete Begegnung mit den Bewohnern des Berges.

Denn eines hat uns der Wilde Kaiser auch in diesem Jahr wieder gezeigt:

Am Berg ist vieles vorhersehbar – der Weg, das Wetter, die Aussicht.

Aber längst nicht alles.

Man weiß zum Beispiel nie, wann eine Wespe beschließt, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt für eine persönliche Begegnung ist. Man weiß nicht, wann ein Hubschrauber plötzlich zum Programmpunkt wird. Und man weiß auch nicht, wie aus einer Gaudiamushütte innerhalb weniger Tage eine Gaudimaus wird.

Aber genau das macht solche Touren aus.

Fünf Tage, zehn Leute, drei Hütten, unzählige Höhenmeter, ein paar schmerzhafte Stiche, sehr viel Kaiserschmarrn und noch mehr gute Erinnerungen.

Kurz gesagt: Der Wilde Kaiser hat uns wieder einmal ordentlich auf Trab gehalten – und wir würden es jederzeit wieder tun.

 

Text und Fotos Hans-Jörg und Christine

Dabei waren: Silvia, Peter, Annette, Michael, Ralf, Thorsten, Dagmar und Dieter